EU ETS 2 ab 2028: Warum Heizöl und Erdgas drastisch teurer werden
Bisher legte die Bundesregierung den CO₂-Preis im Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) als festen Pfad fest (2026: 55–65 €/t). Ab 2028 wird dieses nationale System in das europäische Emissionshandelssystem (EU ETS 2) überführt. Damit bestimmt ab 2028 der freie Markt an der Leipziger Energiebörse EEX den Preis für jede Tonne CO₂ – mit massiven Folgen für Gas- und Ölheizungen.
Vom nationalen Festpreis zum europäischen Marktpreis
Seit 2021 zahlen Verbraucher in Deutschland einen CO₂-Aufschlag auf fossile Brennstoffe nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG). Dieser Preis war gesetzlich gedeckelt. Die Richtlinie der Europäischen Union zum ETS 2 verpflichtet alle Mitgliedsstaaten, ab 2028 den Gebäude- und Verkehrssektor in ein europaweites Cap-and-Trade-System einzubinden.
Das bedeutet: Die Gesamtmenge der ausgegebenen Emissionszertifikate sinkt jedes Jahr nach einem starren mathematischen Reduktionspfad. Da die Nachfrage nach Heizenergie nicht beliebig schnell sinkt, steigen die Preise bei Verknappung der Zertifikate an den Börsen sprunghaft an.
Was bedeutet das konkret in Euro pro Kilowattstunde und Liter Öl?
Jeder Brennstoff setzt bei der Verbrennung eine feste physikalische Menge CO₂ frei. Bei Erdgas sind es rund 201 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde (kWh), bei leichtem Heizöl rund 266 Gramm pro kWh (entspricht ca. 2,66 kg CO₂ pro Liter Heizöl).
| CO₂-Preis pro Tonne | Erdgas-Aufschlag (ct/kWh brutto) | Heizöl-Aufschlag (ct/Liter brutto) | Zusatzkosten 20.000 kWh Gas | Zusatzkosten 2.500 l Öl |
|---|---|---|---|---|
| 65 € (2026 BEHG) | 1,56 ct/kWh | 20,5 ct/l | 312 € / Jahr | 513 € / Jahr |
| 110 € (2028 ETS 2 zentral) | 2,63 ct/kWh | 34,7 ct/l | 526 € / Jahr | 868 € / Jahr |
| 160 € (2030 ETS 2 hoch) | 3,83 ct/kWh | 50,5 ct/l | 766 € / Jahr | 1.263 € / Jahr |
| 200 € (2035 ETS 2 zentral) | 4,78 ct/kWh | 63,1 ct/l | 956 € / Jahr | 1.578 € / Jahr |
| 260 € (2040 ETS 2 hoch) | 6,22 ct/kWh | 82,0 ct/l | 1.244 € / Jahr | 2.050 € / Jahr |
Gibt es einen staatlichen Preisdeckel im EU ETS 2?
Die EU-Gesetzgebung sieht für die ersten Jahre (2028 bis 2030) einen sogenannten Marktstabilitätsmechanismus (MSR) vor: Überschreitet der Preis für zwei aufeinanderfolgende Monate 45 €/Tonne (in Preisen von 2020, inflationsbereinigt ca. 55 €), werden zusätzliche Zertifikate aus der Reserve freigegeben.
Energieökonomen betonen jedoch, dass dies kein harter Preisdeckel ist. Wenn die Nachfrage in ganz Europa hoch bleibt und der Gesamtdeckel (Cap) jährlich sinkt, kann der Marktpreis diesen Schwellenwert mühelos übersteigen. Das Umweltbundesamt und das Fraunhofer ISE modellieren für die 2030er Jahre Spitzenpreise von 160 € bis 250 € pro Tonne.
Entscheidungsregel für Eigentümer
- Heizung älter als 15 Jahre: Nicht auf ein Wunder bei den fossilen Brennstoffpreisen hoffen. Die Umstellung auf eine Wärmepumpe (gefördert nach GModG-Regeln) eliminiert das CO₂-Preisrisiko vollständig.
- Bestands-Gasheizung: Durch gezieltes Absenken der Vorlauftemperatur und einen hydraulischen Abgleich den Brennstoffverbrauch sofort um 10–15% senken, um die CO₂-Last zu dämpfen.
- Vergleich mit Strom: Zwar enthält auch der Haushaltsstrom noch CO₂-Kosten des Kraftwerksparks, doch durch den schnellen Ausbau erneuerbarer Energien sinkt der Emissionsfaktor im Strommix kontinuierlich (siehe Stromverbrauch der Wärmepumpe berechnen).
Häufige Irrtümer beim CO₂-Preis
- Irrtum 1: „Der CO₂-Preis wird politisch wieder abgeschafft.“ Der EU ETS 2 ist europäisches Primärrecht. Ein deutsches Bundesgesetz kann die EU-Emissionshandelsrichtlinie nicht einseitig aufheben.
- Irrtum 2: „Biogas ist vom CO₂-Preis befreit, also billig.“ Zwar fällt auf Biomethan kein fossiler CO₂-Aufschlag an, doch der Marktpreis für Biomethan ist konstruktionsbedingt bereits um 6 bis 8 Cent/kWh höher als der für Erdgas.
- Irrtum 3: „Vermieter können 100% umlegen.“ Nach dem CO2KostAufG müssen Vermieter je nach energetischem Zustand des Gebäudes bis zu 95% der CO₂-Kosten selbst tragen (siehe Modernisierungsumlage und CO₂-Kostenaufteilung).
Fragen an Energieberater und Installateure
- 1. *„Welche CO₂-Preis-Szenarien wurden in Ihrer 20-jährigen Wirtschaftlichkeitsberechnung für die Gasheizung zugrunde gelegt?“*
- 2. *„Wie verändert sich die Wirtschaftlichkeit, wenn der CO₂-Preis ab 2028 auf über 120 €/t klettert?“*
- 3. *„Wie viel CO₂ spart der Wechsel auf eine Wärmepumpe in meinem konkreten Gebäude jährlich ein?“*